Ich bin verabredet mit Ezio De Bernardi, Sommelier und Direktor von Valsangiacomo Vini in Mendrisio.

Seit den 50er Jahren vinifiziert man bei Valsangiacomo die Merlot-Trauben und ist Stolz  einer der Ersten in puncto Flaschenabfüllung gewesen zu sein.

Das ursprünglich in Chiasso gegründete Unternehmen, das damals vor allem vom Weinhandel und Fremdabfüllungen lebte, hat 1885 eine Lagerstätte an der Viale alle Cantine in Mendrisio errichtet.  

Bei der Wahl des Standortes für das Weinlager, spielten die besonderen Bedingungen am Fusse des Monte Generoso eine entscheidende Rolle.

Der Berg ist durchzogen von Kanälen, die eine Art Belüftungssystem bilden. Die Besonderheit: Die ausströmende Luft hat das ganze Jahr über eine Temperatur von ca. 10 Grad Celsius.  Also perfekte Bedingungen zur langfristigen Lagerung bei konstanter Temperatur. Und diese natürliche «Klimaanlage» braucht zudem  nicht einmal Strom!

1985 kam der Umzug. Das bisherige Lager wurde zum offiziellen Firmensitz und zur Produktionsstätte, wobei das Gebäude erhalten werden konnte.

Mit der Verlagerung des Firmensitzes nach Mendrisio änderte sich auch die Ausrichtung. Der Fokus lag nunmehr auf dem Ausbau der Eigenproduktion und Fremdabfüllungen und Weinhandel wurden drastisch abgebaut, was eine deutliche Verkleinerung zur Folge hatte. Und so ist der Handel mit ausländischen Weinen  heute verschwindend gering.

Valsangiacomo Vini wird nunmehr in sechster Generation von Uberto Valsangiacomo geleitet.

All dies erfahre ich, während Herr De Bernardi mir die Räumlichkeiten zeigt. Bevor wir das ehemalige Lager und die heutige Produktionsstätte besichtigen, zeigt er mir den Saal mit angeschlossenem Küchenbereich. Dieser kann für Firmenanlässe und Festivitäten angemietet werden.

In der Produktion angekommen, entdecke ich auf einer Seite der Halle mit ihren vielen Tanks ein  unregelmässiges Muster von Löchern in der Wand. Hier, so erklärt mir Herr De Bernardi, hat man die Halle bis an den Fels gebaut, um über die Löcher, die in den Fels gebohrt wurden, den Raum zu klimatisieren. Die Löcher haben nur ein paar Zentimeter im Durchmesser. Ich gehe näher heran und spüre deutlich den stetigen Luftzug. 

Während der Besichtigung  erfahre ich auch etwas mehr über den legendären weissen Merlot, der natürlich auch in diesem Haus seine Tradition hat.

Es ist kein Weisswein im klassischen Sinne. Er wird aus den gleichen roten Trauben gewonnen, wie der klassische rote Merlot. Allerdings, so erklärt mir Herr De Bernardi,   stammt er aus einer separaten Weinlese, da die Trauben nicht so reif sein dürfen. Ein höherer Säuregehalt sorgt für mehr Frische. Und Frische ist ja gerade beim «Weisen» gewünscht.

Die Vinifizierung des weissen Merlots ist wesentlich komplexer und aufwendiger als beim roten Merlot. Das liegt unter anderem auch daran, dass die Farbstoffe aus der Traubenschale nicht in den Gärungsprozess gelangen dürfen.

Ein paar Schritte die «Viale alle Cantine» hinauf, wo sich Weinkeller an Weinkeller reiht, befindet sich noch eine weitere  Lagerstätte. Hier reifen wertvolle Tropen in Eichenfässern. Und auch hier finden sich die Löcher in der Felswand, die den Felsenkeller so perfekt temperieren.  

Auf unserem Rückweg zum Hauptgebäude fällt der Blick auf die umliegenden Weinberge. «Im Sottoceneri sind die Böden von Hügel zu Hügel sehr unterschiedlich» erklärt Herr De Bernardi und deutet auf einen Weinberg zu unserer Rechten. «Der zum Beispiel besteht aus purem Granit, währen der dort drüben ehemals Meeresboden war»

Und obwohl überall die gleichen Reben gepflanzt werden, gibt es der Lage entsprechend ganz unterschiedliche Ergebnisse.  Das nennt der Franzose «Terroir» bemerkt Herr de Bernardi.

Davon ausgehend, dass die Qualität des Weins aufgrund des hohen Niveaus heutiger Produktionsverfahren mehr von den Naturgegebenheiten, wie Sonnenstunden, Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Bodenbeschaffenheit beeinflusst wird, als von der Technik, sind es die Spezifika der Lage, die massgeblich die Qualität beeinflussen und dem Wein seinen typischen regionalen Charakter verleihen. 

Mittlerweile sind wir an der Vinothek angelangt. Hier kann nach Voranmeldung in aller Ruhe degustiert werden. 

Als mein Blick über die ausgestellten Weine schweift, fällt mir eine Besonderheit ins Auge: Der Gransegreto Forte Airolo. Er lagert im Barrique in einem ehemaligen Militätbunker der Festung Airolo auf  1300 m.ü.M. In dieser Höhe kommt es zu einer anderen Oxidation, die im  Ergebnis einen sehr eleganten Wein hervorbringt.

Vielen Dank Herr De Bernardi für die interessanten Einblicke.

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